Strategie

Von ERP zu KI: Warum Prozessverständnis entscheidend ist

Von ERP zu KI Transformation

Philipp Reitzmann

2. Januar 2026
7 Min. Lesezeit

Nach über 60 ERP-Projekten haben wir eine klare Erkenntnis: Die besten Algorithmen bringen nichts, wenn man die Prozesse nicht versteht. Warum unsere ERP-Erfahrung der Schlüssel zu erfolgreichen KI-Projekten ist.

Die Parallele: ERP und KI scheitern am gleichen Punkt

In über 60 ERP-Projekten haben wir ein Muster erkannt: Die meisten gescheiterten Projekte hatten technisch keine Probleme. Die Software funktionierte. Die Server liefen.

Das Problem lag woanders: Die Prozesse waren nicht verstanden.

Genau das gleiche erleben wir jetzt bei KI-Projekten. Unternehmen stürzen sich auf Technologie, ohne die fundamentalen Fragen zu klären:

  • Wie läuft der Prozess heute ab – wirklich?
  • Wo liegen die Schmerzpunkte?
  • Welche Daten fließen wo hin?
  • Wer ist involviert und welche Entscheidungen werden getroffen?

💡 Unsere Erkenntnis

“Prozess schlägt Algorithmus. Eine perfekte KI-Lösung auf einen schlechten Prozess angewendet, liefert schlechte Ergebnisse – nur schneller.”

Was ERP-Berater über KI wissen, das viele Tech-Experten nicht verstehen

1. Prozesse sind nie so, wie sie im Handbuch stehen

In der Theorie läuft alles nach Plan. In der Praxis gibt es Workarounds, Excel-Listen und “so machen wir das schon immer”. Ein KI-Projekt, das diese Realität ignoriert, ist zum Scheitern verurteilt.

Was wir anders machen: Wir schauen uns die echten Abläufe an – vor Ort, mit den Menschen, die täglich im Prozess arbeiten. Erst wenn wir die Realität verstanden haben, entwickeln wir KI-Lösungen.

2. Die Datenqualität entscheidet über Erfolg oder Misserfolg

“Garbage in, garbage out” – dieses Prinzip gilt bei KI noch mehr als bei ERP. Wenn Ihre Stammdaten unvollständig sind, werden es die KI-Ergebnisse auch sein.

Aus unserer ERP-Erfahrung wissen wir: Datenqualität ist kein IT-Thema, sondern eine organisatorische Herausforderung. Und genau hier setzen wir an.

3. Change Management ist wichtiger als Technologie

Die beste KI-Lösung wird nicht genutzt, wenn das Team sie nicht versteht oder akzeptiert. Das haben wir bei ERP-Projekten hundertfach gesehen – und bei KI ist es nicht anders.

Unser Ansatz: Wir binden die Mitarbeiter von Anfang an ein. Wir erklären, wir schulen, wir holen Feedback ein. Technologie ist nur ein Werkzeug – die Menschen machen den Unterschied.

Praxis-Beispiel: Rechnungsverarbeitung beim Technischen Großhändler

Ein technischer Großhändler für Elektro- und Haustechnik mit 40 Mitarbeitern bearbeitet wöchentlich etwa 200 Lieferantenrechnungen. Zwei Mitarbeiter in der Buchhaltung verbrachten durchschnittlich 2-3 Tage damit, Rechnungen manuell zu prüfen, ERP-Bestellungen zuzuordnen und freizugeben.

Der schmerzhafte Nebeneffekt: Bei dieser Bearbeitungszeit wurden regelmäßig Skonto-Fristen verpasst – hochgerechnet entgingen dem Unternehmen jährlich etwa 15.000 Euro an Ersparnissen.

Die Geschäftsführung wollte den Prozess mit KI automatisieren: OCR-Erkennung für Rechnungsdaten, automatischer Abgleich mit ERP-Bestellungen, automatische Freigabe bei Übereinstimmung.

Das technische Problem? Keins. Moderne OCR-Software erkennt Rechnungsdaten mit über 95% Genauigkeit.

Das eigentliche Problem: Bei der Prozessanalyse entdeckten wir, dass die 15 Hauptlieferanten völlig unterschiedliche Formate nutzten. Manche schickten strukturierte PDF-Rechnungen per E-Mail, andere eingescannte Papierdokumente. Aber vor allem: In den Bestellungen fehlten oft eindeutige Referenznummern oder wurden von verschiedenen Einkäufern unterschiedlich erfasst.

Die KI hätte die Rechnungen perfekt erkannt – aber die Zuordnung zu ERP-Bestellungen wäre in 40% der Fälle gescheitert. Die Buchhaltung hätte weiterhin manuell nacharbeiten müssen.

Unsere Lösung: Wir haben zuerst den Prozess optimiert. Mit den Lieferanten wurden Standards für Bestellreferenzen vereinbart. Die Einkäufer erhielten klare Vorgaben zur Bestellerfassung im ERP. Erst dann implementierten wir die KI-Lösung.

Das Ergebnis nach 3 Monaten: 70% der Rechnungen werden vollautomatisch verarbeitet und freigegeben. 25% benötigen nur noch eine kurze manuelle Prüfung. Nur 5% erfordern intensive Nacharbeit. Die Bearbeitungszeit sank um 60%. Und die Skonto-Fristen? Werden jetzt zu 95% eingehalten – 15.000 Euro jährliche Ersparnis, die vorher verloren gingen.

Die drei Phasen unseres Ansatzes (wie im Beispiel):

  1. 1. Verstehen: Prozessanalyse vor Ort mit Buchhaltung und Einkauf, Datenqualität im ERP prüfen
  2. 2. Optimieren: Standards mit Lieferanten vereinbaren, Bestellprozess im ERP verbessern
  3. 3. Automatisieren: KI-gestützte OCR mit intelligentem Matching und Freigabe-Workflow

Warum „Praxis schlägt Theorie“ unser Leitsatz ist

Es gibt viele KI-Experten, die beeindruckende Demos zeigen können. OCR mit 99% Genauigkeit? Kein Problem. Aber wenn es darum geht, KI in echte Geschäftsprozesse zu integrieren – mit all ihren Eigenheiten, historischen Altlasten und menschlichen Faktoren – scheitern viele.

Wir haben den umgekehrten Weg gewählt: Wir kommen aus der Praxis. Wir haben gesehen, wie ERP-Projekte an fehlender Datenstandardisierung gescheitert sind. Wie die beste Software nichts brachte, weil die Mitarbeiter ihre Excel-Listen nicht aufgeben wollten. Wie ein Prozess, der auf dem Papier perfekt aussah, in der Realität an zwölf verschiedenen Sonderfällen zerbrach.

Das Ergebnis: KI-Lösungen, die funktionieren – nicht nur in der Demo, sondern im Tagesgeschäft. Bei 200 Rechnungen pro Woche. Mit 15 verschiedenen Lieferanten. Tag für Tag.

Fazit: Prozessverständnis ist der Erfolgsfaktor

KI ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug zur Prozessoptimierung. Und um Prozesse zu optimieren, muss man sie erst verstehen – mit all ihren Realitäten, Widersprüchen und historisch gewachsenen Eigenheiten.

Unsere ERP-Erfahrung aus über 60 Projekten ist kein Zufall – sie ist unser größter Vorteil. Sie ermöglicht es uns, KI-Projekte durchzuführen, die nicht nur technisch beeindruckend sind, sondern echten Mehrwert liefern. Die sich rechnen. Die genutzt werden. Die funktionieren.

Philipp Reitzmann

Gründer bei viamind. 13 Jahre Projekterfahrung bei ERP Novum mit Schwerpunkt auf Projektleitung und Veränderungsmanagement. Experte für Prozessoptimierung und erfolgreiche KI-Implementierung.

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